Vereinfacht dargestellt, ist jedes interaktive System (Websites, Apps etc.) in folgende Konstellation einzupassen:

Mensch-Maschine-Schnittstelle

Die Arbeit mit einem solchen System (anlehnt an Shackel, 1991) zeichnet sich dadurch aus, dass ein Benutzer mit einem Werkzeug eine Aufgabe in einem vorgegebenen Umfeld erledigt. Etwas weniger theoretisch kann man sich beispielsweise, die Suche nach einer Zugsverbindung mit einem Smartphone (Werkzeug) durch eine jüngere Frau (Benutzer) im Zug (Umfeld) vorstellen. Zu berücksichtigen gibt es natürlich auch Rahmenbedingungen bzw. Kontexte wie die möglicherweise eingeschränkte Bandbreite etc. Der Benutzende kommt ausschliesslich über die Benutzeroberfläche (User Interface) mit dem System in Kontakt – es befindet sich zwischen Benutzer und Werkzeug. Folglich kommt der Benutzeroberfläche in jedem benutzerzentrierten Vorgehen eine zentrale Bedeutung zu.

Die Frage nach einem in diesem Zusammenhang passenden Vorgehensmodell erscheint angebracht. Eine weitere Anforderung stellt die Skalierbarkeit des Systems dar. Das heisst, je nach Projektart, /-grösse, /-ausrichtung müssen die passenden Methoden zusammengestellt und angewendet werden können. Aufgrund meiner Erfahrungen hat sich folgendes Modell bewährt, welches auf sechs grundlegenden Phasen basiert:

Benutzerzentriertes Vorgehen

 


 

Analyse

Dieser initialen Phase kommt eine wichtige Bedeutung zu. Schliesslich geht es darum, die Aufgaben- und Problemstellung zu verstehen. In diesem Kontext gilt es den Kunden, die Marke, das Geschäft und natürlich die Benutzenden zu verstehen.

Methodenkoffer

Benutzer

  • Personas (Moodboard)
  • Klassische Zielgruppen-Analyse und Segmentierung
  • Interaktvitätsbereitschaft Zielgruppen
  • Mentale Modelle
  • User Insights
  • Szenarien
  • Use Cases und Nutzungsszenarien
  • Tagebuch

Geschäft

  • Produkt-Anlayse
  • Stakeholder-Anaylse
  • Fokusgruppen
  • Interviews
  • Fragebogen
  • Card Sorting
  • Konkurrenz-Analyse und Benchmarking
  • Audits (Bestehende Produkte, Inhalte, Serivce etc.)
  • Markenpersönlichkeit/-architektur
  • Corporate Identity und Corporate Design

Ziele

  • Zielmatrix
  • User-Stories
  • Dokumentation der Anforderungen

 

Strategie

Aus Zielen werden idealerweise möglichst konkrete und vor allem auch umsetzbare Massnahmen.

Methodenkoffer

Kommunikation, Produkt, Service

  • Customer Life Cycle
  • User Journey
  • Moments of truth
  • Markenpositionierung
  • Visuelles Markenleitbild

Nutzererlebnis

  • Konzeptmodell
  • Joy of Use-Pyramide
  • Zugangskonzept
  • Sitemaps
  • Content Maps
  • User Task Flows

Suchmaschinen-Marketing

  • SEM-Aktivitäten Launch
  • Zielwerte und deren Überprüfung definieren
  • Festlegen SEO-Massnahmen

Planung und Umsetzung

  • Massnahmenkatalog (inkl. Messbarkeit)
  • Briefing Kreativagentur

 

Design

Geprägt wird diese Phase von Ideen und Konzepte, die erstmals visuell konkretisiert bzw. erfassbar (Gestaltung) gemacht werden. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die Erstellung von evaluierbaren Wireframes und Prototypen.

Methodenkoffer

Ideen generieren

  • Kreative Leitidee
  • Brainstorming
  • Crowdsourcing
  • Mindmapping
  • Storytelling
  • Rollenspiele

Nutzererlebnis

  • Grundlegender Aufbau Screen
  • Wireframes (für responsive Design)
  • Storyboard
  • Designmuster

Screendesign

  • Look und feel
  • Raster und Seitenaufbau
  • Interaktionselemente
  • Inhaltliche und funktionale Module
  • Designkomponenten Typografie, Logo, Header, Navigation

Gesten (Touchscreen-Anwendungen)

  • Gesten für Touchscreen

Prototyping und Testing

  • Paperprototyping
  • Mockups
  • Wireframing
  • Physische Prototypen
  • Usability Testing
  • Expert Reviews

 

Produktion

Die Umsetzung der in den vorhergehenden Phasen steht an. Anstelle von umfangreichen und schwer verständlichen Anforderungsdokumenten, werden getestete Wireframes und/oder Prototypen vorgezogen.

Methodenkoffer

Styleguide

  • Besonderheiten des digitalen Mediums
  • Interactions Guidelines
  • Designmuster-Bibliotheken
  • Dokumentieren mit Styleguide

Begleitung Produktion

  • Qualitätssicherung
  • GAP-Analyse
  • Sicherstellung Inhalte (Redaktionsplan)

 

Veröffentlichung

Diese Phase ist in der obigen Grafik bewusst andersfarbig ausgeführt. Ein Projektlaunch erfordert spezielle Aufmerksamkeit – im Vorfeld, aber ich in der Nachbearbeitung. Häufig gehen aber Aktivitäten in diesem Zusammenhang vergessen.

Methodenkoffer

  • Kommunikations- und Aktionsplan Projektlaunch
  • Projekt-Debriefing

 

Weiterentwicklung

Nach dem Spiel, ist vor dem Spiel. Diese Phrase ist in der Sportwelt verbreitet. Eigentlich gilt dies aber auch für interaktive Projekte bzw. das vorliegende Modell.

Methodenkoffer

  • Rollout für verschiedene Anwendung und Märkte
  • Schulung und Einführung von Mitarbeiter und externen Dienstleistern
  • Design Management
  • Testen, Messen und Optimieren

 

Fazit

Jedes Projekt ist einzigartig und erzählt seine eigene Geschichte. Demnach gibt es wohl auch nicht das Vorgehen bzw. den Methodenkoffer, der über jedes Projekt darüber gestülpt werden kann. Vielmehr geht es darum, für jedes Projekt die passenden „Werkzeuge“ zusammenstellen. Die oben beschriebenen Phasen sind als iterativer Prozess zu verstehen. Sofern die Phasen direkt nebeneinander stehen sind sie ineinander fliessend. Eine Phase kann erst abgeschlossen werden, wenn die darunterliegend dies bereits ist. Kriterien können dabei sein: Zielsetzungen, Machbarkeit, Zweckmässigkeit, Projektteam und natürlich das vorhandenen Budget.